Einordnung
Die Form eines Vulkans wird durch Magmazusammensetzung, Eruptionsstil, tektonischen Kontext
und geologische Entwicklung geprägt. Der Bildungsplan LK § 3.5.2.1 nennt Schichtvulkan,
Schildvulkan, vulkanische Decke, Maar, Caldera und Hot Spot. Ein Hot Spot ist dabei ein
geodynamischer Kontext und keine Vulkanform.
1. Schichtvulkan (Stratovulkan)
Merkmale
- Aufbau: abwechselnde Schichten von Lava (dunkel, härter) und pyroklastischem Material
(hell, löchrig) — daher „Schicht“.
- Form: meist ein steiler, konischer Aufbau, oft mit Hängen von bis zu 30–35°.
- Magma: Häufig andesitische bis rhyolithische Magmen mit höherem Siliziumdioxidgehalt;
hohe Viskosität und gelöste Gase können explosive Ausbrüche begünstigen.
- Eruptionsstil: Wechsel zwischen effusiven und explosiven Phasen; bei explosiven
Ausbrüchen können Aschefall, pyroklastische Dichteströme und Lahare auftreten.
- Höhe: variiert stark; Cotopaxi erreicht etwa 5.897 m, Mount Fuji etwa 3.776 m.
Entstehungsmechanismus (Subduktionszone)
- Die abtauchende ozeanische Platte gibt in der Tiefe Fluide frei.
- Diese senken den Schmelzpunkt im darüberliegenden Mantelkeil und fördern dort partielle Aufschmelzung.
- Magma steigt auf und kann sich in der Erdkruste durch Abkühlung und Kristallisation weiterentwickeln.
- Wiederholte Ausbrüche lagern Lava und pyroklastisches Material ab und bauen den Vulkan auf.
Beispiele
| Vulkan | Region | Höhe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Mount St. Helens (USA) | Kaskadenkette, USA | 2.549 m | Ausbruch 1980 mit seitlicher Explosion und Schuttlawine |
| Mount Fuji (Japan) | Honshū, Japan | 3.776 m | Aktiver Vulkan und bedeutendes kulturelles Symbol |
| Ätna (Sizilien) | Italien | etwa 3.300 m (Höhe veränderlich) | Aktiver Vulkan mit effusiven und explosiven Ausbrüchen |
| Vesuv (Italien) | Neapelbucht | 1281 m | 79 n. Chr. — Pompeji, Herculaneum; historisch zentrale Referenz |
| Cotopaxi (Ecuador) | Anden | 5897 m | Etagenprofil ähnlich, hohe Lahare-Gefährdung |
| Krakatau (Indonesien) | Sundastraße | variabel | Ausbruch 1883 mit Tsunami und weitreichenden atmosphärischen Folgen |
2. Schildvulkan
Merkmale
- Form: breit und flach geneigt; die sanften Hänge erinnern an einen Schild.
- Magma: meist dünnflüssiges, basaltisches Magma mit niedrigem Siliziumdioxidgehalt.
Es kann weit ausfließen und wiederholt dünne Lavaschichten bilden.
- Eruptionsstil: überwiegend effusiv; Gase können leichter entweichen, doch explosive Aktivität ist ebenfalls möglich.
Explosionen selten, aber möglich (Feuerfontäne, gasgetriebene Ausbrüche).
- Größe: Mauna Loa erhebt sich vom Meeresboden aus mehr als 9.000 m und zählt zu den
größten aktiven Vulkanen der Erde.
Entstehung (Hot Spot +/oder Rift)
- Hot Spots und Riftzonen können den Aufstieg basaltischen Magmas begünstigen.
- Lava breitet sich aus und bildet bei wiederholten Ausbrüchen übereinanderliegende Schichten.
- Bewegt sich eine Platte über einen Hot Spot, kann eine Vulkankette entstehen. Die
Hawaii-Emperor-Kette umfasst die Hawaii-Inseln und setzt sich nach Nordwesten als
untermeerische Kette älterer Vulkane fort.
Beispiele
| Vulkan | Region | Höhe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Kīlauea | Hawaii, USA | ca. 1.247 m | Der Puʻu-ʻŌʻō-Ausbruch dauerte von 1983 bis 2018; seither gab es episodische Ausbrüche. |
| Mauna Loa | Hawaii, USA | etwa 4.169 m | Einer der größten aktiven Vulkane der Erde |
| Mauna Kea | Hawaii, USA | 4.207 m | Ruhender Vulkan mit Spuren eiszeitlicher Vergletscherung |
| Island (Vulkane) | Island | unterschiedlich | Hot Spot und Mittelatlantischer Rücken: Hekla, Katla, Eyjafjallajökull |
| Erta Ale | Äthiopien | ca. 613 m | Schildvulkan, bekannt für zeitweise vorhandene Lava-Seen |
3. Caldera
Merkmale
- Definition: Großräumige Einbruchstruktur, die entstehen kann, wenn nach der Förderung
großer Magmamengen das Gestein über einem Magmareservoir absinkt.
- Form: häufig ein kesselförmiger Krater, der sich später mit Wasser füllen kann (z. B. Crater Lake, Oregon).
- Entstehungsmechanismus:
- Bei einem großen Ausbruch wird Magma aus einem Reservoir gefördert.
- Das darüberliegende Gestein kann daraufhin in den entstandenen Hohlraum einbrechen.
- Spätere Ablagerungen oder Wasser können die Caldera teilweise auffüllen.
- Unterscheidung zum einfachen Krater: Eine Caldera ist eine großräumige Einbruchstruktur; ein Krater ist meist kleiner und liegt unmittelbar an einer Ausbruchsstelle.
Beispiele
| Caldera | Region | Durchmesser | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Crater Lake | Oregon, USA | 8–10 km | Gefüllt mit Wasser, 7.700 Jahre alt, Mt. Mazama Kollaps |
| Santorin (Thira) | Ägäis, Griechenland | ~10 km | Bronzezeit-Eruption (~1600 v. Chr.), Auswirkungen auf Minoische Zivilisation |
| Yellowstone | Wyoming, USA | etwa 70 km | Caldera-System mit hydrothermaler Aktivität |
| Long Valley | Kalifornien, USA | etwa 17 km | Caldera mit anhaltender seismischer und geothermischer Aktivität |
| Krakatau / Anak Krakatau | Indonesien | — | Anak Krakatau entstand innerhalb der Caldera des Krakatau |
4. Maar
Merkmale
- Definition: annähernd kreisrunde Mulde, die häufig durch eine phreatomagmatische
Explosion entsteht.
- Form: häufig eine annähernd kreisrunde, trichterförmige Mulde mit einem Tuffring.
- Entstehung: Bei einer phreatomagmatischen Eruption trifft Magma auf Grund- oder
Oberflächenwasser. Die dabei entstehenden Dampfexplosionen können eine Mulde und einen
Ring aus ausgeworfenem Material bilden.
- Ausfüllung: oft gefüllt mit Wasser → Maar-See.
- Geologischer Kontext: Maare treten häufig in Intraplattengebieten auf, zum Beispiel
in der Eifel; sie sind nicht auf Plattengrenzen beschränkt.
Beispiele
| Maar | Region | Durchmesser | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Weinfelder Maar | Eifel, Deutschland | etwa 0,5 km | Eines der Dauner Maare |
| Gemündener und Schalkenmehrener Maar | Eifel, Deutschland | unterschiedlich | Weitere Maare der Vulkaneifel |
| Kilbourne Hole | New Mexico, USA | etwa 1,6 km | Maar mit Xenolithen, die Hinweise auf den tieferen Untergrund geben |
5. Vulkanische Decke (Lava-Decke / Flood-Basalte)
Merkmale
- Ausgedehnte, meist flach lagernde Lavaablagerungen, häufig aus Basalt.
- Sie entstehen durch großvolumige, überwiegend effusive Eruptionen, oft entlang von Spalten.
- Typische Beispiele sind die Deccan Traps und die Columbia River Basalt Group.
- Sehr große Eruptionsphasen können durch freigesetzte Gase Klima und Umwelt beeinflussen.
Beispiele
| Basaltprovinz | Region | Bemerkung |
|---|---|---|
| Deccan Traps | Indien | Entstanden vor rund 66 Millionen Jahren; zeitlich nahe der Kreide-Paläogen-Grenze |
| Columbia River Basalt Group | Washington und Oregon, USA | Mehrere Millionen Jahre andauernde Eruptionen im Miozän |
| Paraná-Etendeka-Provinz | Südamerika und südliches Afrika | Zusammengehörige Flutbasalt-Provinz, die durch die Öffnung des Südatlantiks getrennt wurde |
6. Hot Spot (als Kontext-Kategorie im Bildungsplan)
Im Bildungsplan LK wird „Hot Spot“ neben Vulkanformen genannt. Er bezeichnet jedoch einen
geodynamischen Kontext und keine eigene Vulkanform. Hot-Spot-Vulkane können unterschiedliche
Formen annehmen; auf ozeanischer Kruste entstehen häufig Schildvulkane, während unter Kontinenten
auch siliziumdioxidreiche Magmen und Calderen vorkommen können.
Mechanismus:
- Anomal warmes Mantelmaterial kann lokal partielle Aufschmelzung auslösen.
- Magma steigt auf und kann an der Oberfläche ausbrechen.
- Bewegt sich eine Platte über eine länger aktive Schmelzquelle, kann eine Vulkankette mit
Altersunterschieden entlang der Kette entstehen.
Vergleichstabelle: Vulkantypen
| Merkmal | Schichtvulkan | Schildvulkan | Caldera | Maar | Vulkanische Decke |
|---|---|---|---|---|---|
| Form | meist steiler Vulkankegel | breit und flach geneigt | großräumige Einbruchstruktur | Explosionskrater mit Tuffring | ausgedehnte Lavafläche |
| Typischer Prozess | wechselnde Lava- und Tephraablagerung | überwiegend effusive Lavaförderung | Einsturz nach Magmenentleerung | Explosion durch Magma-Wasser-Kontakt | großvolumige Spalteneruptionen |
| Häufiger Kontext | Subduktionszonen | Hot Spots und Riftzonen | große Eruptionen und Kollaps | wasserführender Untergrund | Riftzonen und basaltische Provinzen |
| Beispiele | Vesuv, Ätna, Mount Fuji | Kīlauea, Mauna Loa | Crater Lake, Yellowstone | Dauner Maare | Deccan Traps, Columbia River Basalt Group |
Quellen
- Bildungsplan 2016 §3.5.2.1 (LK): Formen und Prozesse der Reliefsphäre
- ESKP Themenspezial: Vulkane unterscheiden
- Serlo Geografie: Vulkanismus
Verknüpfungen
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Bildreferenzen & Animationen
Quellen: YouTube (Animationen/Erklärungen), Wikimedia Commons (Bilder/Diagramme, meist CC BY-SA / Public Domain), Unsplash (Fotografien, free to use). Alle Links führen zu externen Plattformen.
🎬 Typen von Vulkanen – Übersicht (Next Generation Science)
Schildvulkan, Stratovulkan, Caldera, Cinder Cone, Fissur – mit Erklärung und Beispielen.
📸 Fotogalerie: Vulkanformen (Unsplash)
Freie Fotos von Schildvulkanen, Stratovulkanen und Calderas.
🖼️ Diagramme der Vulkanformen – Wikimedia Commons
Schemazeichnungen zu verschiedenen Vulkanformen.
Bildmaterial
🖼️ Bild (Wikimedia Commons)

Quelle: Stratovulkan Mount St. Helens, USA (Public Domain / USGS)
🖼️ Bild (Wikimedia Commons)

Quelle: Olympus Mons auf dem Mars – größter bekannte Schildvulkan (NASA, Public Domain)