Raumbeispiele — Glazialmorphologie
Die folgenden Beispiele zeigen unterschiedliche Formen und Prozesse glazial geprägter
Räume. Die glaziale Serie des norddeutschen Tieflands ist nicht mit den Formen eines
alpinen Tals oder den heutigen Gletschern Islands gleichzusetzen.
1. Alpen — Aletschgletscher, Schweiz
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Bild: Wikimedia Commons — Aletschgletscher, Aletschwald und Wannenhörner (2017).jpg (CC BY-SA 4.0)
Der Aletschgletscher ist ein Talgletscher in den Schweizer Alpen. Er ist rund 20 km lang;
seine Länge und Fläche verändern sich mit dem Gletscherrückgang.
Formen und Prozesse
- Das Eis hat ein breites Trogtal ausgeschürft und transportiert Gesteinsschutt.
- Seiten- und Endmoränen dokumentieren frühere Gletscherstände.
- Oberhalb der Schneegrenze sammelt sich über längere Zeit mehr Schnee an, als abschmilzt;
tiefer gelegene Gletscherbereiche verlieren dagegen meist Masse.
- Der Gletscher zieht sich seit dem Ende der Kleinen Eiszeit zurück. Geschwindigkeit und
Ausmaß des Rückgangs schwanken im Zeitverlauf.
Verwundbarkeit und Vorsorge
- Gletscherrückgang verändert Landschaft, Ökosysteme und die saisonale Wasserführung
flussabwärts.
- Tourismus und lokale Infrastruktur können von Veränderungen der Gletscherlandschaft
sowie von Naturgefahren wie Felsstürzen und Murgängen betroffen sein.
- Gletscherbeobachtung, Gefahrenkarten, Warnsysteme und eine angepasste Raumplanung
unterstützen die Vorsorge.
- Tourismusangebote und Wasserbewirtschaftung müssen Veränderungen langfristig
berücksichtigen.
2. Norddeutsches Tiefland — ehemalige Vereisung durch das skandinavische Inlandeis
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Bild: Wikimedia Commons — Endmoräne Gontenschwil.jpg (CC BY 4.0)
Das Norddeutsche Tiefland wurde während des Pleistozäns wiederholt vom skandinavischen
Inlandeis erreicht. Endmoränen, Grundmoränen, Sander und Urstromtäler sind regional
unterschiedlich ausgeprägt.
Formen und Prozesse
- Urstromtäler: breite Täler, die Schmelzwasser parallel zum Eisrand abführte; ein
bekanntes Beispiel ist das Berliner Urstromtal.
- Endmoränen: wallartige Ablagerungen an früheren Eisrandlagen.
- Sander: vor den Endmoränen gelegene Flächen aus durch Schmelzwasser abgelagertem
Sand und Kies.
- Grundmoränen: unsortierte Ablagerungen unter oder hinter dem Eis; sie prägen
vielerorts den Untergrund und die Böden.
- Löss: vom Wind abgelagertes feinkörniges Sediment. Es kann aus glazialen
Sedimenten stammen, gehört aber nicht zu den vier Hauptelementen der glazialen Serie.
Heutige Nutzung und Vorsorge
- Fruchtbare Böden werden intensiv landwirtschaftlich genutzt; Erosion und
Bodenverdichtung können lokal Probleme verursachen.
- Grundwasser ist eine wichtige Ressource. Schutzgebiete und nachhaltige Entnahme
unterstützen die Versorgung und den Schutz vor Verunreinigungen.
- Siedlungen und Infrastruktur in Flussniederungen können durch Hochwasser gefährdet
sein. Hochwasserschutz und eine angepasste Raumplanung mindern das Risiko.
- Die eiszeitliche Entstehung der Landschaft ist nicht selbst eine heutige Gefahr;
aktuelle Risiken ergeben sich unter anderem aus Nutzung, Wasserhaushalt und
Naturgefahren.
3. Island — Gletscher und Vulkanismus
Bild: Wikimedia Commons — Island Vatnajökull 02.JPG (CC BY-SA 3.0)
Der Vatnajökull ist der größte Gletscher Islands. Unter und nahe der Eiskappe liegen
aktive Vulkansysteme, darunter Grímsvötn und Bárðarbunga. Ein Vulkanausbruch unter Eis
kann Schmelzwasser freisetzen und einen Gletscherlauf (Jökulhlaup) auslösen.
Formen und Wechselwirkungen
- Gletscher formen Täler und hinterlassen Moränen; Schmelzwasser lagert Sedimente auf
Sanderflächen (Sandur) ab.
- Bei einem subglazialen Ausbruch kann Schmelzwasser unter dem Eis gesammelt und
schubweise freigesetzt werden. Überschwemmungen können Sediment mitführen und
Verkehrswege beschädigen.
- Beim Gjálp-Ausbruch 1996 kam es zu einem großen Gletscherlauf auf dem
Skeiðarársandur. Auch der Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 führte zu
Schmelzwasserabflüssen.
- Vulkanasche auf Schnee und Eis kann deren Reflexion verändern; die Auswirkungen auf
das Schmelzen hängen unter anderem von Menge und Verteilung der Asche ab.
Verwundbarkeit und Vorsorge
- Gletscherläufe können Brücken, Straßen und Siedlungen in Flusstälern gefährden. Die
Ringstraße ist für Verkehr und Versorgung wichtig und kann örtlich betroffen sein.
- Tourismus und Landwirtschaft können durch Asche, Überschwemmungen oder
Verkehrsstörungen beeinträchtigt werden.
- Seismische Überwachung, Warnungen, Evakuierungsplanung und Straßensperrungen helfen,
Risiken zu mindern. Sie können die Naturgefahr nicht verhindern.
Vergleich
| Merkmal | Alpen (Aletsch) | Norddeutsches Tiefland | Island |
|---|---|---|---|
| Glaziale Prägung | Aktiver Talgletscher und glazial geformtes Tal | Reliefformen aus früheren Vereisungen | Heutige Gletscher und Schmelzwasserformen |
| Beispiele für Formen | Trogtal, Moränen | Endmoränen, Sander, Grundmoränen, Urstromtal | Gletscher, Moränen, Sandur |
| Prozesse heute | Gletscherrückgang und veränderte Schmelzwasserführung | Vorwiegend Nutzung und natürliche Prozesse im eiszeitlich geprägten Relief | Gletscherschmelze; örtlich Wechselwirkung mit Vulkanismus |
| Mögliche Risiken | Felsstürze, Murgänge und Veränderungen der Wasserführung | Hochwasser, Grundwasserbelastung und Bodenerosion | Gletscherläufe, Asche und Schäden an Verkehrswegen |
| Vorsorge | Beobachtung, Gefahrenkarten und angepasste Raumplanung | Grundwasserschutz, Hochwasserschutz und Bodenschutz | Überwachung, Warnungen, Evakuierungsplanung und Straßensperrungen |
Hinweise für das Abitur
- Alpen: Gletscherrückgang, Landschaftsveränderung und mögliche Folgen für Wasserhaushalt,
Ökosysteme und Tourismus.
- Norddeutsches Tiefland: glaziale Serie als Reliktlandschaft und heutige Nutzung der
Böden, Grundwasservorkommen und Flussniederungen.
- Island: Wechselwirkungen zwischen Vulkanismus und Vergletscherung sowie
Gletscherläufe als Naturgefahr.
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