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Geographische Methoden — GIS, Fernerkundung, Kartographie

Bezug zum Spektrum Lexikon der Geographie: Kartographie / GIS / Fernerkundung / Methoden

concept methodikgisfernerkundungkartographieanalysetechnologie GEOGRAPHISCHE METHODEN · erstellt 2026-10-01 · aktualisiert 2026-10-16
Inhalt

Überblick

Moderne Geographie benutzt eine Reihe von Methoden, um räumliche Daten zu erfassen, zu analysieren, zu visualisieren und zu interpretieren. Für den Leistungskurs sind besonders diese drei Methodenfamilien relevant:

  1. Geographische Informationssysteme (GIS): Digitale Systeme zur Erfassung, Speicherung, Analyse und Darstellung räumlicher Daten
  2. Fernerkundung (Remote Sensing): Erfassung von Erdoberflächen-Informationen aus der Ferne (Satelliten, Flugzeuge)
  3. Kartographie: Wissenschaft und Praxis der Kartenerstellung — Visualisierung räumlicher Informationen
Bezug zum Spektrum Lexikon der Geographie: Kartographie / GIS / Fernerkundung / Methoden

Geographische Informationssysteme (GIS)

Definition: Ein GIS ist ein softwarebasiertes System zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Darstellung geographischer Daten — sowohl räumlicher Lage (Koordinaten) als auch Attributdaten (Eigenschaften von Orten, Einheiten).

Kernkomponenten:

  • Geodatenspeicherung: Vektordaten (Punkte, Linien, Flächen — Polygone) + Rasterdaten (Gitter, Pixel — z. B. Höhenmodelle, Satellitenbilder)
  • Datenbank: Verknüpfung von Geometrie + Attributen (Tabellen)
  • Analyse-Funktionen: Layer-Analyse, Overlay, Puffer, Distanzberechnung, räumliche Interpolation, Netzwerk-Analyse, statistische Analyse
  • Darstellung: Kartenerstellung, symbolische Darstellung, Layout

Anwendungen:

  • Landwirtschaft: Feldbetrieb, Bodenkarte, Wassermanagement
  • Stadtplanung: Flächennutzung, Infrastruktur, Bauleitpläne
  • Umwelt: Umweltverträglichkeit, Gefahrenanalyse, Naturschutz
  • Notfall: Katastrophenmanagement, Evakuierung, Ressourcenverteilung
  • Wirtschaft: Marktanalyse, Standortwahl, Lieferkette

Beispiele GIS-Layer:

  • Höhenmodell (DEM = Digital Elevation Model) — Raster, Höhen information
  • Landnutzung (Landbedeckung — Wälder, Acker, Siedlung, Wasser)
  • Bodenkarte (Bodentypen, Bodenart)
  • Infrastruktur (Straßen, Eisenbahn, Gebäude, Schienen)
  • Gewässer (Flüsse, Seen, Grundwasser)
  • Bevölkerungsdichte (Attribute)
  • Klimadaten (Temperatur, Niederschlag — Punkte, Raster)

Fähigkeiten (relevant für Abitur):

  • Layer-Überlagerung (Overlay-Analyse): Z. B. Flächennutzung mit Landschaftsschutzgebiet überschneiden
  • Pufferanalyse: Z. B. Puffer um Fluss (Flussnahe Siedlungen innerhalb 500 m)
  • Distanz- und Nähe-Analyse: Z. B. Entfernung zu Next City, Schulen, Krankenhäuser
  • Räumliche Interpolation: Z. B. Temperatur oder Niederschlag von Messstationen auf ganze Fläche interpolieren (IDW, Kriging)
  • Netzwerk-Analyse: Z. B. Fahrzeit, Wege im Verkehrsnetz
  • Attributabfrage: Z. B. "Welche Flächen sind waldreich und innerhalb 1 km vom Fluss?"

Fernerkundung (Remote Sensing)

Definition: Fernerkundung bezeichnet das Erfassen von Informationen über Objekte oder Flächen ohne physische Berührung — meist mit Sensoren an Bord von Satelliten, Flugzeugen, Drohnen.

Sensor-Typen:

  • Passive Sensoren: Empfangen natürliche Strahlung (Sonnenlicht, Wärmestrahlung) — z. B. optische Kameras, multispektrale Scanner (Landsat, Sentinel-2), thermische Sensoren
  • Aktive Sensoren: Senden eigene Strahlung aus und messen Rückkehr — z. B. Radar (Synthetic Aperture Radar, SAR — kann durch Wolken durchdringen), LiDAR (Laser) für Höhenmodelle

Wellenlängen-Bereiche:

  • Sichtbares Licht (VIS): RGB — natürliche Farben, gut für Landnutzung, Vegetation (Grün), Wasser (blau)
  • Infrarot (NIR, SWIR): Nahinfrarot (Pflanzengesundheit / NDVI), kurzwelliges Infrarot (Wasserinhalt, Mineralogie)
  • Thermal Infrared (TIR): Temperaturmessung (Oberflächentemperatur, städtische Hitzeinseln, Feuer)
  • Mikrowelle (Radar): Aktive Sensoren wie SAR können unabhängig von Tageslicht und weitgehend unabhängig von Wolken messen. LiDAR ist dagegen ein aktives Laserverfahren.

Satelliten-Beispiele:

  • Landsat (USA): Lange Zeitreihe seit 1972, 30 m Auflösung, gut für Veränderungsanalyse (z. B. Entwaldung, städtisches Wachstum, Urbanisierung)
  • Sentinel-2 (ESA): Kostenlos, 10–20 m Auflösung, 5-Tage Wiederholung — standard für Landbedeckung, Vegetationsmonitoring
  • MODIS (NASA): Grob aufgelöst (250–1000 m), täglich — globale Monitoring (Vegetationsindex, Temperatur, Wolken)
  • Sentinel-1 (Radar): Durch Wolken, tagsüber/nachts, 5–20 m — Überschwemmungserkennung, Bodendisplacement
  • Sentinel-3 (Optical + Altimeter): Ozean, Land, Atmosphäre

Anwendungen:

  • Vegetationsindizes: NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) = (NIR - R) / (NIR + R) — zeigt Vegetationsdichte, -gesundheit; hoher Wert = dicht, gesund (Vorteil: einfach, gut verständlich)
  • Veränderungsdetektion: Vorher-Nachher-Vergleich: Z. B. Epidemie-Detekektion, Degradierung, Urbanisierung
  • Höhenmodelle: LiDAR, Radar-Uplink — liefert digitales Höhenmodell (DEM), Hangneigung, Geländeanalyse
  • Wasser / Überschwemmung: Sentinel-1 (Radar) — flüssiges Wasser reflektiert anders als trockene Fläche; gut für Hochwasserkartierung
  • Temperatur: TIR — städtische Hitzeinseln, Landwirtschaft (Wasserstress), Vulkanismus (Thermalflächen)

Grenzen (für das Abitur relevant):

  • Auflösung (räumlich: Pixelgröße; zeitlich: Wiederholung) — höhere Auflösung = kleinere Fläche, aber weniger Abdeckung
  • Wolken (optisch) — Radar beim Durchdringen
  • Daten aufbereiten (Kalibrierung, Atmosphären-Korrektur, geometrische Korrektur)
  • Interpretation: NDVI ist nicht direkt "Biomasse" — Interpretation braucht Kontext

Kartographie

Definition: Kartographie ist die Kunst und Wissenschaft der Kartenerstellung — Abbildung räumlicher Informationen auf Papier oder Bildschirm.

Grundarten von Karten:

  • Allgemeine Karte: Zeigt viele Elemente (Topographische Karte: Höhen, Gewässer, Straßen, Siedlungen, Vegetation) — z. B. Topographische Karte 1:25.000, 1:50.000
  • Spezielle Karte (Themenkarte): Ein Thema im Fokus — z. B. Bevölkerungsdichte, Niederschlag, Vegetation, Bodenkarte, Verkehrskarte
  • Digitale Karten: Interaktiv (Web-GIS, OpenStreetMap, Google Maps) — Zoom, Layerwahl, Messung
  • Satellitenbild (falschfarbig / Natural Color): Optisches Bild — nicht primär "Karte", aber geographische Information

Kartenelemente:

  • Titel. Was wird dargestellt?
  • Legend (Erklärung). Symbole, Farben, Werte
  • Maßstab. Verhältnis (1:50.000 = 1 cm = 500 m) oder grafische Strecke
  • Koordinaten / Bezugssystem: (z. B. UTM, Gauß-Krüger, WGS84)
  • Nordpfeil / Richtung
  • Kartennetz: Gitternetz (Längen- und Breitengrade) für Referenz
  • Quellenangabe (wichtig für wissenschaftliche Arbeit!)

Projektionen (Abbildung der Kugel auf Ebene):

  • Problem: Kugel → ebene Fläche = Verzerrung (entweder Fläche, Form, Abstand, Richtung bleibt richtig)
  • Beispiele:
  • Mercator-Projektion: Winkeltreue (Conform), gut für Navigation — aber polare Länder stark vergrößert (Grüneland vs. Afrika)
  • Lambertsche konforme Kegelprojektion: winkeltreu und für bestimmte Karten mittlerer Breiten geeignet; die Albers-Kegelprojektion ist ein Beispiel für eine flächentreue Kegelprojektion.
  • UTM: transversale Mercator-Projektion mit 6° breiten Zonen. Das Gauß-Krüger-System verwendet in Deutschland üblicherweise 3° breite Meridianstreifen.
  • Robinson / Winkel tripel: Kompromiss, für Weltkarten

Kartografische Gestaltprinzipien:

  • Generalisierung: Vereinfachung bei kleinerem Maßstab (weniger Details)
  • Visual Hierarchy: Wichtige Elemente hervorstechen
  • Leichtigkeit: Klar ohne Überladung
  • Farbgebung: Sinnvoll, einprägsam, nicht irreführend

Fähigkeiten (Abitur):

  • Karten lesen und interpretieren (Topographische Karte, Themenkarte, Satellitenbild)
  • Eigene Karten erstellen (simple Layout: Layer, Symbole, Legende, Maßstab, Titel)
  • Bei GIS: Layer kombinieren, Analyse durchführen, Ergebnis kartieren

Beziehung zwischen Methoden

GIS, Fernerkundung und Kartographie sind sich ergänzend:

  • Fernerkundung liefert Daten (Satellitenbilder, LiDAR, Radar)
  • GIS analysiert diese Daten (Overlay, Klassifikation, Modellierung)
  • Kartographie stellt Ergebnisse dar (Karten, Diagramme, 3D-Visualisierung)

Beispiel: Landnutzungsänderung:

  1. Fernerkundung: Satellite-Bilder aus 1990 und 2020 herunterladen (Landsat)
  2. GIS: NDVI berechnen, Landbedeckung klassifizieren, Overlay-Vergleich
  3. Kartographie: Karte erstellen mit Landbedeckung 1990, 2020, Änderung, Legende, Maßstab, Quelle

Verwandte Seiten

Offene Fragen

  • Welche konkreten GIS-Übungen / Map-Aufgaben für Abitur? (z. B. ArcGIS, QGIS, OpenStreetMap-basiert?)
  • Welche Satellitenbilder-Beispiele für Abitur? (z. B. Google Earth, Sentinel Hub, USGS EarthExplorer)

Visuelle Darstellungen & Beispiele

Quellen: YouTube (Animationen/Erklärungen), Wikimedia Commons (Bilder/Diagramme, meist CC BY-SA / Public Domain), Unsplash (Fotografien, free to use). Alle Links führen zu externen Plattformen.

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