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Glaziale Serie — Formen und Prozesse

Die glaziale Serie beschreibt eine typische Abfolge von Formen, die im Vorland eines

concept glazialmorphologieprozesseraumbeispiele GLAZIALMORPHOLOGIE (Formen und Prozesse) · erstellt 2026-09-27 · aktualisiert 2026-10-16
Inhalt

Die glaziale Serie

Hintergrund

Die glaziale Serie beschreibt eine typische Abfolge von Formen, die im Vorland eines

Inlandeises durch Eis, Schmelzwasser und Sedimentablagerung entstehen. Das Modell ist

besonders mit dem norddeutschen Tiefland verbunden. Es ist keine überall vollständig

ausgebildete Landschaftsform: Relief, Untergrund und Eisrandlage beeinflussen die

tatsächliche Abfolge.

Formen vom Eisrand in Richtung Vorland

Vereinfacht folgt auf das Inlandeis zunächst das Zungenbecken, dann die Endmoräne, der

Sander und schließlich das Urstromtal. Der tatsächliche Verlauf kann örtlich davon

abweichen.

[ Inlandeis / Gletscherzunge ]
              ↓
[ Zungenbecken ]
              ↓
[ Endmoräne ]
              ↓
[ Sander ]
              ↓
[ Urstromtal ]

1. Zungenbecken

  • Lage: im Bereich, den eine Gletscherzunge zuvor bedeckt hat.
  • Entstehung: Gletschereis kann den Untergrund ausschürfen und vertiefen. Nach dem

Abschmelzen kann sich in der Mulde ein See bilden.

  • Form: häufig eine übertiefte, beckenartige Hohlform.

2. Endmoräne

  • Form: wallartige Ablagerung am ehemaligen Eisrand.
  • Entstehung: Der Gletscher schiebt oder lagert Gesteinsmaterial an seiner Stirn ab.

Bei längerem Stillstand oder wiederholtem Vorstoßen kann ein markanter Wall entstehen.

  • Bedeutung: Endmoränen markieren frühere Eisrandlagen; sie umschließen nicht

zwangsläufig ein Zungenbecken vollständig.

3. Sander

  • Lage: Vorfeld der Endmoräne.
  • Entstehung: Schmelzwasser transportiert und sortiert Sedimente. Wenn die

Fließgeschwindigkeit abnimmt, werden Sand und Kies abgelagert.

  • Form: meist flach geneigte Schotter- und Sandflächen mit verzweigten Abflussrinnen.

4. Urstromtal

  • Entstehung: Schmelzwasser floss am Eisrand entlang und formte breite Talzüge.

Das Inlandeis konnte den Abfluss nach Norden blockieren, sodass das Wasser in vielen

Bereichen parallel zum Eisrand nach Westen abfloss.

  • Form: breites, flaches Tal, das deutlich größer sein kann als der heutige Fluss,

der darin verläuft.

  • Beispiel: das Berliner Urstromtal im Norddeutschen Tiefland.

Weitere glaziale und periglaziale Formen

BegriffErklärung
AltmoräneAblagerung oder Form aus einer älteren Vereisungsphase, die später überprägt sein kann.
JungmoräneAblagerung oder Form aus der jüngsten Vereisungsphase einer Region.
GrundmoräneVom Gletscher abgelagertes, meist unsortiertes Material unter oder hinter dem Eis.
SeitenmoräneSchuttwall am Rand eines Talgletschers.
LössFeinkörniges, überwiegend äolisch abgelagertes Sediment, das häufig aus glazialen Sedimenten ausgeweht wurde.
Solifluktionlangsames hangabwärts gerichtetes Fließen wassergesättigter Böden, besonders über gefrorenem Untergrund.
TrogtalDurch Gletschererosion geformtes, breites Tal mit U-förmigem Querschnitt.
PermafrostUntergrund, der mindestens zwei aufeinanderfolgende Jahre gefroren bleibt.

Bedeutung für den Geografieunterricht

Die glaziale Serie verbindet Relief- und Prozesswissen. Schülerinnen und Schüler können

die Formen räumlich einordnen, ihre Entstehung durch Eis und Schmelzwasser erklären und

die Landschaft mit heutigen Veränderungen wie Gletscherrückzug und veränderter

Schmelzwasserführung vergleichen.

Raumbeispiele

  • Norddeutsches Tiefland: Endmoränen, Sander und Urstromtäler aus der

skandinavischen Vereisung; ein bekanntes Beispiel ist das Berliner Urstromtal.

  • Alpen: Talgletscher haben Trogtäler, Kare und Moränen hinterlassen. Der

Aletschgletscher und sein Vorfeld eignen sich als Beispiele für heutige

Gletscherveränderungen; die vollständige glaziale Serie des norddeutschen Tieflands

lässt sich nicht ohne Weiteres auf ein alpines Tal übertragen.

  • Island: Vulkanismus und Vergletscherung können zusammenwirken; bei Ausbrüchen

unter Eis kann Schmelzwasser entstehen.

Quellen

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