Die glaziale Serie
Hintergrund
Die glaziale Serie beschreibt eine typische Abfolge von Formen, die im Vorland eines
Inlandeises durch Eis, Schmelzwasser und Sedimentablagerung entstehen. Das Modell ist
besonders mit dem norddeutschen Tiefland verbunden. Es ist keine überall vollständig
ausgebildete Landschaftsform: Relief, Untergrund und Eisrandlage beeinflussen die
tatsächliche Abfolge.
Formen vom Eisrand in Richtung Vorland
Vereinfacht folgt auf das Inlandeis zunächst das Zungenbecken, dann die Endmoräne, der
Sander und schließlich das Urstromtal. Der tatsächliche Verlauf kann örtlich davon
abweichen.
[ Inlandeis / Gletscherzunge ]
↓
[ Zungenbecken ]
↓
[ Endmoräne ]
↓
[ Sander ]
↓
[ Urstromtal ]
1. Zungenbecken
- Lage: im Bereich, den eine Gletscherzunge zuvor bedeckt hat.
- Entstehung: Gletschereis kann den Untergrund ausschürfen und vertiefen. Nach dem
Abschmelzen kann sich in der Mulde ein See bilden.
- Form: häufig eine übertiefte, beckenartige Hohlform.
2. Endmoräne
- Form: wallartige Ablagerung am ehemaligen Eisrand.
- Entstehung: Der Gletscher schiebt oder lagert Gesteinsmaterial an seiner Stirn ab.
Bei längerem Stillstand oder wiederholtem Vorstoßen kann ein markanter Wall entstehen.
- Bedeutung: Endmoränen markieren frühere Eisrandlagen; sie umschließen nicht
zwangsläufig ein Zungenbecken vollständig.
3. Sander
- Lage: Vorfeld der Endmoräne.
- Entstehung: Schmelzwasser transportiert und sortiert Sedimente. Wenn die
Fließgeschwindigkeit abnimmt, werden Sand und Kies abgelagert.
- Form: meist flach geneigte Schotter- und Sandflächen mit verzweigten Abflussrinnen.
4. Urstromtal
- Entstehung: Schmelzwasser floss am Eisrand entlang und formte breite Talzüge.
Das Inlandeis konnte den Abfluss nach Norden blockieren, sodass das Wasser in vielen
Bereichen parallel zum Eisrand nach Westen abfloss.
- Form: breites, flaches Tal, das deutlich größer sein kann als der heutige Fluss,
der darin verläuft.
- Beispiel: das Berliner Urstromtal im Norddeutschen Tiefland.
Weitere glaziale und periglaziale Formen
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Altmoräne | Ablagerung oder Form aus einer älteren Vereisungsphase, die später überprägt sein kann. |
| Jungmoräne | Ablagerung oder Form aus der jüngsten Vereisungsphase einer Region. |
| Grundmoräne | Vom Gletscher abgelagertes, meist unsortiertes Material unter oder hinter dem Eis. |
| Seitenmoräne | Schuttwall am Rand eines Talgletschers. |
| Löss | Feinkörniges, überwiegend äolisch abgelagertes Sediment, das häufig aus glazialen Sedimenten ausgeweht wurde. |
| Solifluktion | langsames hangabwärts gerichtetes Fließen wassergesättigter Böden, besonders über gefrorenem Untergrund. |
| Trogtal | Durch Gletschererosion geformtes, breites Tal mit U-förmigem Querschnitt. |
| Permafrost | Untergrund, der mindestens zwei aufeinanderfolgende Jahre gefroren bleibt. |
Bedeutung für den Geografieunterricht
Die glaziale Serie verbindet Relief- und Prozesswissen. Schülerinnen und Schüler können
die Formen räumlich einordnen, ihre Entstehung durch Eis und Schmelzwasser erklären und
die Landschaft mit heutigen Veränderungen wie Gletscherrückzug und veränderter
Schmelzwasserführung vergleichen.
Raumbeispiele
- Norddeutsches Tiefland: Endmoränen, Sander und Urstromtäler aus der
skandinavischen Vereisung; ein bekanntes Beispiel ist das Berliner Urstromtal.
- Alpen: Talgletscher haben Trogtäler, Kare und Moränen hinterlassen. Der
Aletschgletscher und sein Vorfeld eignen sich als Beispiele für heutige
Gletscherveränderungen; die vollständige glaziale Serie des norddeutschen Tieflands
lässt sich nicht ohne Weiteres auf ein alpines Tal übertragen.
- Island: Vulkanismus und Vergletscherung können zusammenwirken; bei Ausbrüchen
unter Eis kann Schmelzwasser entstehen.
Quellen
- Bildungsplan Geografie LK § 3.5.2.1: Formen und Prozesse der Reliefsphäre
- Glacial series — Überblick zu den Formen und ihrer Abfolge.
- Glaziale Formung — Überblick zu glazialen Formen.
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